Der Wettkampf um das beste Erlebnis…warum ich manche Menschen nicht in meinem Leben brauche…

Jetzt, wo ich im Urlaub mal so richtig zur Ruhe gekommen bin, hab´ich mir mal wieder den einen oder anderen Gedanken darüber gemacht, ob das derzeitige Leben noch zu mir passt und was man vielleicht entrümpeln und loswerden will. Ich habe bei dieser Gelegenheit mal wieder die Freundesliste meines privaten facebook-Accounts durchgeschaut und überlegt, ob ich wirklich alle aktuellen „Freunde “ noch an meinem Leben teilhaben lassen möchte. Denn ist es nicht so: wir sind oft virtuell mit viel mehr Menschen „befreundet“, als wir im tatsächlichen Leben je regelmäßig treffen würden. Und auf facebook postet man nun auch hin und wieder private Dinge, bei denen man sich fragen muss: sollen das wirklich all´meine Bekannten lesen? Klar, man kann ja festlegen, wer die Beiträge tatsächlich lesen soll, aber oft ist das gerade vom Smartphone aus ja auch ziemlich mühsam.

Versteht mich nicht falsch: ich bin ein absoluter Befürworter von sozialen Netzwerken, ist es doch gerade durch sie möglich, regelmäßig in Kontakt mit meinen amerikanischen Freunden zu bleiben und so wenigstens ein bißchen an deren Leben teilzuhaben. Aber ich bin eben auch ein bißchen altmodisch und lieber nur mit meinen „echten“ Freunden auch bei facebook befreundet- sprich: mit denen, die ich auch außerhalb der virtuellen Welt regelmäßig sehe.

Worauf ich eigentlich hinauswill: irgendwie habe ich in letzter Zeit das Gefühl, dass die richtig guten persönlichen Gespräche auf der Strecke bleiben. Dadurch, dass jeder mal ein kurzes Statement auf facebook oder in anderen sozialen Netzwerken postet, bleibt der richtige Austausch auf der Strecke. Jeder ist so sehr mit sich und seiner Welt beschäftigt, dass man gar nicht mehr zuhört, wie es dem anderen geht, oder was der andere gerade macht. Jeder versucht sich im besten Licht zu präsentieren, den anderen mit Erlebnissen und Erfahrungen zu übetrumpfen. Wenn ich manchmal Gesprächen zwischen Freunden oder Bekannten zuhöre, dann habe ich das Gefühl, da wird aneinander vorbei geredet. Jemand erzählt etwas und gleich fällt ein anderer ein und hat etwas Gleiches oder Ähnliches oder Besseres erlebt. Oder jeder jammert, weil es ihm nun gerade am schlechtesten geht. Ich bin manchmal wirklich genervt von so viel Ignoranz seinen Mitmenschen gegenüber.

Natürlich nehme ich mich nicht aus: auch ich habe sicher schon von eigenen Erfahrungen berichtet und damit jemand anders unterbrochen oder sein Thema geschickt auf mein Thema gelenkt – aber das ist einfach nicht korrekt. Denn ganz ehrlich: man fühlt sich klein und nicht ernst genommen und auch nicht richtig geschätzt, wenn einem nicht zugehört wird. Daher habe ich mich in den vergangenen drei Monaten in persönlichen Gesprächen einfach mal zurückgenommen- fast ausschließlich zugehört, da oft das Gefühl aufkam, dass es mein Gegenüber sowieso nicht so recht interessiert, was ich erzähle.

Natürlich habe ich eine Handvoll richtig gute Freunde, die mich schätzen und die ich schätze und mit denen ich sehr schöne, tolle und wirklich persönliche Gespräche führe. Diese, und natürlich meine Familie, sind hier ausgenommen.

Und natürlich präsentiere auch ich mich und meine Gedanken hier im Netz in der Erwartung, dass es jemanden interessiert. Und ich bekomme von Euch tolle Kommentare, die mir das Gefühl geben, dass da viele unter Euch sind, die sehr wohl Anteil nehmen. Das freut mich wirklich sehr und dafür sage ich ganz, ganz herzliche DANKE!

Und ich finde es auch absolut notwendig und selbstverständlich unter Freunden seine Sorgen und seinen Kummer loszuwerden. Nur ich erwarte im Gegenzug auch, dass man selbst mal gefragt wird, wie es einem geht. Warum muss sich jeder ständig gegenseitig beweisen, wer erfolgreicher im Job ist, wessen Kinder begabter sind und wer die tollsten Urlaubserlebnisse hatte? Müssen wir  wirklich unser Selbstbewusstsein damit pushen?

Ich jedenfalls möchte Gespräche und Austausch, die mich berühren, inspirieren oder die mich dazu bringen Dinge auch mal aus anderem Blickwinkeln zu betrachten im Leben. Aber eine gute Unterhaltung ist natürlich auch anstrengend: man muss sich Zeit nehmen für sein Gegenüber- Geduld und Aufmerksamkeit sind wichtig und echtes Interesse an den Sorgen anderer. Und man muss wirklich hören wollen, was den anderen bewegt und sich selbst hintenanstellen. Das ist sicher schwer, in unserer Gesellschaft- in der es doch vor allem im Job und als Mama darum geht, sich selbst bestmöglich zu verkaufen. Möglichweise kriegen wir auch Dinge zu hören, die wir nicht hören wollen, weil sie unser Tun in Frage stellen und sogar weh tun. Aber die uns vielleicht – wenn man intensiv darüber nachdenkt – auch weiterbringen.

Ich jedenfalls habe mir vorgenommen mehr auf meine Mitmenschen zu achten, mich immer mal wieder einzulassen auf wirklich intensive Gespräche, mir Zeit zu nehmen mein Gegenüber zu verstehen. Vielleicht entdecke ich dabei ganz wertvolle neue Menschen und Freundschaften.

Eure Meinung zu diesem Thema interessiert mich brennend: wie nehmt ihr die Kommunikation im Kollegen und Freundeskreis untereinander wahr? Was stört Euch, was findet ihr richtig toll? Gibt es etwas, dass ihr gern ändern würdet?

 

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8 Gedanken zu “Der Wettkampf um das beste Erlebnis…warum ich manche Menschen nicht in meinem Leben brauche…

  1. Ich habe auch mitbekommen, dass gute Gespräche immer seltener werden.
    Besonders nervt es mich, wenn ich mich mit jemandem unterhalte und derjenige nebenbei immer wieder sein Smartphone checkt. Viele leben immer mehr in einer digitalen Welt, selbst wenn sie die Möglichkeit auf reale Kommunikation haben.

    1. Oh ja stimmt- das mit dem Smartphone nervt mich auch – ich gebe zwar zu, dass ich selbst ganz oft auf meins schaue, aber während eines Gesprächs ist das ein NO-GO!!

  2. Puh, das Thema Kommunikation ist schwer. Ich glaube dass es auch aber nicht nur damit zu tun hat sein Selbstbewußtsein zu steigern. oft ist es auch einfach die Zeit. Möglichst viele Informationen in kurzer Zeit unter zu bringen und wenn mich das Gegenüber gerade mit seiner Geschichte an etwas (für mich) wichtiges erinnert falle ich ihm ins Wort, raube ihm die Aufmerksamkeit. Das ist nicht gut das tut weh, das merke ich immerwieder wenn es jemand bei mir macht. Auf mir ist es Aufmerksamkeitshascherei das weiß ich. Und das muß ich ändern. Versuche ich auch sehr oft aber ich merke am Ende der Gespräche dann immer das mir was fehlt. Ich meinen „Frust“ nicht los wurde. Mit wem kann man darüber reden?

    Ich habe mal vor einiger Zeit meine Freunde dich ich jederzeit im wahren Leben sehen könnte von Fb entfernt. Damit meine ich die in der gleichen Stadt leben, die etwas weiter weg wohnen sind noch drauf. Und das Ergebnis? kein Kontakt mehr, weder per Whatsapp noch per Telefon geschweigedenn REAL. Das ist dann schon überaus traurig. Ob das damit zusammenhing dass ich umzug unsere Kinder sich dann nichtmehr regelmäßig im KiGa sahen weiß ich nicht aber es waren lediglich 20 min. Fußweg mehr als vorher. Maysteriös bis heute.

    1. Ich verstehe schon was Du meinst – ich glaube jeder von uns fällt mal ins Wort oder unterbricht jemanden, um sein eigenes Erlebnis zu erzählen. Ich wollte mit meinem Beitrag auch nur zum Nachdenken anregen und vielleicht einfach ein bißchen umsichtiger mit seinem Umfeld umzugehen.
      Schon seltsam, dass man manchmal die Menschen, die so nah bei einem wohnen und die man fast täglich sehen könnte, auf einmal „weg“ sind, weil man sie eben nicht mehr bei facebook „trifft“…ich wünsche Dir, dass Du einen Weg findest, wieder mit Deinen Freunden in Kontakt zu kommen – auch ohne facebook – denn richtige Freunde sind doch eines der wichtigsten Dinge im Leben…Liebe Grüße

      1. Danke das ist sehr lieb von dir aber ganz ehrlich? Wer mich wegen Fb im wahren Leben versetzt ist kein wahrer Freund und den brauche ich auf meinem Weg nicht mehr. Man kann wieder in Kontakt treten aber das was früher war wird es nie mehr geben.

      2. Da hast Du wohl leider Recht…aber entscheidend ist ja letzenendes nur: die wahren Freunde bleiben einem – und wenn das auch nur eine Handvoll oder sogar nur ein oder zwei sind – lieber wenige, dafür Menschen, auf die man sich jederzeit verlassen kann…

  3. Die Gespräche mit guten Freunden und der Familie sind wirklich nicht mehr mit früher zu vergleichen – leider! Liegt es an der Technik? Oder ist unsere schnelllebige Zeit daran Schuld, dass wir nicht mehr so zuhören und miteinander reden, wie früher. Wahrscheinlich beides! Ich versuche eigentlich schon auf die Menschen einzugehen, ihnen auch zu helfen bzw. einen Tipp zu gegeben, oftmals bekommt man dann aber nicht mal eine Antwort, das ist dann schon bedrückend. Also bei mir ist es nicht nur bei Facebook so, auch im Kollegen- und Freundeskreis fehlen mir oft die intensiven, tiefgreifenden Gespräche.

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