Das hier geht bis an die Schmerzgrenze: Tyrannosaur – Eine Liebesgeschichte

In letzter Zeit habe ich einige wirklich gute Filme gesehen, daher wird es Zeit, Euch heute mal wieder einen davon vorzustellen…diesmal ist es einer, der seinem Zuschauer mal wieder viel abverlangt, und der sicher nicht so leicht zu verdauen ist. Aber wer sich hin und wieder mit der harten Realität auseinandersetzen kann, der sollte dieses kleine Juwel nicht verpassen.

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Tyrannosaur – Eine Liebesgeschichte“ ist nicht so romantisch wie der Titel vielleicht vermuten lässt. Denn diese Liebesgeschichte hat mit prickelnden Gefühlen und Kribbeln im Bauch so gar nichts zu tun. Vielmehr handelt es sich um ein Sozialdrama, das richtig wehtut.

Der Film spielt in England, im Jahre 2010, und schildert die sich entwickelnde Liebesgeschichte zwischen einem Mann und einer Frau, die beide in sehr schwierigen Umständen leben. Der verbitterte Witwer Joseph und die zutiefst verletzte Hausfrau Hannah kämpfen verzweifelt ums Überleben, obwohl das Leben scheinbar nur Schlechtes für sie bereithält. Schon die ersten Minuten des Films, in denen Joseph seinen Hund mit scheinbarer Willkür tötet, weil ihn eine kleine Nichtigkeit auf die Palme gebracht hat, katapultieren den Zuschauer mitten hinein in dieses Elend.

Aber Joseph ist kein schlechter Mensch – schon in der nächsten Einstellung, als er seine Tat zutiefst bereut, wird klar: in Jospeh brodelt eine unbändige Wut, die er nicht bändigen kann – getrieben durch seine Lebensumstände. Trinkend und arbeitslos läuft er durchs Leben, um ihn herum nur Gewalt und Armut.

In ebendiesem Szenario entwickelt sich – durch eine zufällige Begegnung – eine ganz zarte und vorsichtige Annährung zwischen Jospeh und Hannah. Auf den ersten Blick eine Frau aus gut situiertem Haushalt, zutiefst gläubig und anständig. Aber Hannah durchlebt zu Hause die Ehe-Hölle – ist gefangen in einer Spirale aus Gewalt, Erniedrigung und Hass und versucht nur nach außen den Schein zu wahren.

Jospeh hat oberflächlich zunächst nur Verachtung für Hannah übrig – er beschimpft und verletzt sie zutiefst. Dennoch sucht er immer wieder ihre Nähe und so entwickelt sich langsam und stetig eine innige Verbundenheit zwischen den beiden. Dank Hannah versucht Joseph aufrichtig ein besserer Mensch zu werden. Als Hannahs Mann jedoch erahnt, dass es Joseph gibt, nimmt die Katastrophe ihren Lauf.

Obwohl Tyrannosaur ein sehr ruhig und melancholisch erzählter Film ist, sei man an dieser Stelle vorgewarnt: die Gewalt ist in diesem Film überall und richtet sich gegen jeden. Die Bilder sind – obwohl teilweise nur angedeutet – nur ganz schwer zu ertragen. Gnadenlos und beängstigend realistisch brennen sie sich ins Gedächtnis. Getragen von zwei brillianten Hauptdarstellern (Peter Mullan & Olivia Colman) und einem superb besetzten Ehemann (Eddie Marsan), den man mit jeder Faser seines Körpers verachtet, lässt einen dieser Film nicht los. Und neben all dem Elend und der ganzen schrecklichen Tragweite, die sich zum Ende des Films offenbart, entlässt uns der Regisseur Paddy Considine dennoch mit einem Hoffnungsschimmer.

Fazit: ein unendlich trauriger, schrecklicher und dennoch schöner Film, der an die Substanz geht, aber den man unbedingt gesehen haben sollte!

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2 Gedanken zu “Das hier geht bis an die Schmerzgrenze: Tyrannosaur – Eine Liebesgeschichte

    1. ah, das kenne ich – mein Mann mag auch nicht alles, was mir gefällt! Ich schaue solche Sachen dann immer mal, wenn er allein unterwegs ist…meistens vertraut er mir aber, wenn ich etwas aussuche – und bei diesem hier waren wir uns einig 🙂

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