Welche Werte sind uns als Eltern wichtig? Welches Erziehungsmodell lebt Ihr?

Viele andere Blogger-Kollegen- und Kolleginnen haben auf ihren Blogs Interviewreihen zu bestimmten Themen ins Leben gerufen, bei denen andere Mamis/Papis, die oft auch selbst bloggen, zu Wort kommen, und die Einblick in viele verschiedene Alltage geben. Auch ich möchte solch eine Interviewreihe ins Leben rufen und freue mich schon darauf, dass auch hier – auf meinem kleinen bescheidenen Blog – ein paar ganz tolle Menschen zu Wort kommen werden.

Meine Interviewreihe trägt den Titel: Welche Werte sind uns wichtig? Welches Erziehungsmodell lebt Ihr?

Ich persönlich finde es unglaublich spannend, dass es so viele verschiedene Lebensmodelle gibt. Von vielen wollte ich schon immer mal wissen, wie das so funktioniert – und warum sich der- oder diejenige genau für diesen Lebensstil entschieden hat.

Heutzutage haben wir das große Glück aus unglaublich vielen Möglichkeiten wählen zu können. Das ist natürlich toll – setzt mich persönlich aber auch oft unter Stress. Und seit ich Mami einer zauberhaften Tochter geworden bin, entscheide ich ja nicht nur für mich allein, sondern auch für dieses kleine Wesen. Ich bin bestrebt alles gut und richtig zu machen und möchte meiner Tochter natürlich gewisse Werte vermitteln. Außerdem möchte ich sie vorbereiten, auf die Welt da draußen, ihr dabei helfen, ihren eigenen Stil und ihre Persönlichkeit zu entwickeln, damit sie mal selbstbewusst und stark durchs Leben geht.

Aber wie genau funktioniert das eigentlich: seinen eigenen Stil zu finden?

Solange wir noch keine Eltern sind können wir tun und lassen was wir wollen. Es übt jemand Kritik an uns? Nicht schön, aber das stecken wir schon irgendwie weg. Wir haben gelernt unser Ding zu machen. Aber dann werden wir Eltern. Und plötzlich ist nichts mehr wie vorher.

Jede Entscheidung die wir treffen, betrifft nun nicht mehr nur uns persönlich, sondern entscheidet auch über das Leben eines anderen, kleinen Menschen. Und wir sind plötzlich so unglaublich angreifbar, wenn uns jemand als Mutter oder Vater in Frage stellt.

Plötzlich sind wir – zumindest wenn das erste Kind kommt – Anfänger. Wir sind unsicher und gleichzeitig bestrebt alles perfekt zu machen für diesen wertvollen kleinen Menschen. Und alle Welt um uns herum meint nun es besser zu wissen. Jeder ist ein Experte was die Kindererziehung betrifft. Manche sind wirklich Experten – die meisten haben sich aber einfach selbst dazu ernannt. Viel zu viele verschiedene Meinungen prasseln auf uns ein. Und wir? Sind völlig überfordert, dabei wollen wir es doch nur richtig machen, aber uns trotzdem selbst treu bleiben.

Uns selbst treu bleiben. Geht das?

Wir haben heute alle Freiheiten, können über unser Leben selbst bestimmen. Das ist toll, bringt aber auch viel Unsicherheit mit sich. Alles wird in Frage gestellt: wo soll das Baby schlafen? Eigenes Zimmer oder Familienbett? Wer geht in Elternzeit? Mama, Papa oder beide? Brei oder Baby-led weaning? Stillen oder Flasche? Egal wie man´s macht: irgendwo eckt man immer an. Es allen Recht machen? Unmöglich…

Ich persönlich habe mich, als ich Mama wurde, wieder oft an meine Kindheit zurück erinnert. Die bestand aus Toben im Garten, Schlittenfahren im Winter, vielen Büchern und Liedern, die ich heute meiner Motte auch zeigen und näherbringen möchte und einfach viel unbeschwertem Aufwachsen ohne Gedanken an die Zukunft. Das will ich meiner Tochter auch bieten.

Seit ich Mama bin, bekomme ich durch meine Tochter ein Stück Kindheit zurück – ich sehe vieles durch Kinderaugen und entdecke alle wunderbaren Dinge, die die Welt uns bietet, noch einmal neu. Gleichzeitig wird man so viel reifer und ja – auch erwachsener – mit dem Moment, in dem diese kleine Maus das erste Mal in unseren Armen lag. Ach, wenn ich es so bedenke – eigentlich mit dem ersten Wissen: da ist jemand in meinem Bauch, den ich nun ein Leben lang begleiten werde.

Und dann haben mein Mann und ich uns natürlich gefragt: welche Werte möchten wir unserer Tochter auf ihren Lebensweg mitgeben, welche sind vielleicht überholt und passen einfach nicht zu uns?

Und mit allem was mir – uns wichtig ist – möchte ich gern authentisch sein. Ich möchte nur das tun, was zu uns passt. Natürlich bin ich offen für andere Lebensformen und auch für – nett und ernst gemeinte – Vorschläge. Aber die Entscheidung – passt das zu uns oder nicht – möchten wir allein treffen und dann auch danach handeln dürfen.

Natürlich sind auch mein Mann und ich nicht immer einer Meinung. Und natürlich gab es daher auch schon die eine oder andere Diskussion. Schließlich sind wir eben auch unterschiedlich aufgewachsen, haben unterschiedliche Rituale und Werte kennengelernt.  Und manche Dinge macht mein Mann im Umgang mit unserer Tochter eben anders als ich – so what? Ich glaube, dass die Maus sehr gut unterscheiden kann, dass verschiedene Menschen eben verschieden ticken. Aber in den grundlegenden Dingen sind wir uns einig – und das ist doch am Ende des Tages das was zählt.

Ich habe inzwischen aufgehört, mich mit jeder Information die Kindererziehung betrifft ausgiebig zu befassen. Es gibt viel zu viele unterschiedliche Meinungen, Kurse, Ratgeber. Ich versuche auf mein Bauchgefühl zu hören und suche – wenn ich das Gefühl habe, ich weiß nicht weiter – den Rat von Freunden, Familie oder anderen Mamis, die ähnlich ticken und selbst Erfahrung mit ihren eigenen Kindern haben. Und dann entscheide ich, ob dies eine Option für uns ist.

Bei allen Enstcheidungen hilft mir mein Gefühl und meine Lebenserfahrung. Ich will dass die Motte selbstbewusst durchs Leben geht? Dann muss ich auch selbst das Selbstbewusstsein haben zu meinem – unserem – eigenen Lebensstil zu stehen. Schließlich wissen alle Eltern irgendwann: die Kleinen sind viel zu oft ein Spiegel unserer Selbst.

Ich glaube es spricht nichts dagegen, sich dem Gruppendruck auch mal zu entziehen. Schließlich wollen wir Individuen sein – und auch unsere Kinder dazu erziehen ihren eigenen Weg zu gehen. Natürlich verändert man etwas, sobald man Eltern wird: weniger Partys, weniger Alkohol, weniger Fernsehen, gesündere Ernährung, mehr frische Luft. Aber verbiegen will ich mich nicht. Nur weil andere von einer Sache überzeugt sind, muss ich das nicht auch unbedingt sein.

Gibt es Werte, die für jeden gelten?

Ja, ich denke es gibt Werte, die Kinder uneingeschränkt brauchen: Gerechtigkeit, Zuverlässigkeit, Achtsamkeit, Respekt, Toleranz. Aber Kinder müssen auch erleben, dass es nicht für jeden Menschen für jedes Problem die selbe Lösung gibt. Und dass eben viele Werte nebeneinander existieren können und müssen – ohne Richtig und Falsch. Ich glaube, dass die Motte so lernt, wie man zu einer Meinung und Überzeugung gelangt, und diese dann auch vertreten kann.

Natürlich wird sie dabei manchmal Gegenwind erfahren – auch und gerade von anderen Kindern. Weil Kinder eben brutal ehrlich sind, und schnell erkennen, wenn eine andere Familie „anders“ lebt. Aber auch damit soll die Motte lernen umzugehen. Ich glaube ein gewisses Maß an „anderssein“ müssen Kinder aushalten können. So lernt die Maus ein Stück weit selbstbewusst zu werden. Und erkennt im Idealfall auch: ich werde auch gemocht, wenn ich nicht alles so mache wie die anderen.

Meine Aufgabe als Mama besteht darin, ihr Vertrauen ins Leben zu vermitteln. Sie soll immer wissen, dass sie nie allein ist, wenn es gerade nicht gut läuft. Dass sie sich verlassen kann auf mich – auf uns – ihre Mama und ihren Papa.

 

Quelle: Pixabay
Quelle: Pixabay

In der nächsten Woche kommt dann an dieser Stelle die erste Mami zu Wort. Und ich würde mir wünschen, dass alle Mamis und Papis, die hier zu Wort kommen, mit Toleranz und Respekt behandelt werden. Nur weil ein Modell für eine Familie funktioniert, muss das nicht heißen, dass es für jemand anderes ebenso funktioniert. Aber ich hoffe auf einen regen Austausch und vielleicht auch die Erweiterung unseres Horizonts – und wenn es nur dazu dient, ein bißchen Verständnis für einen anderen Erziehungsweg aufzubringen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch viel Spaß – und natürlich bin ich auch sehr gespannt wie ihr die Idee findet und ob Ihr vielleicht selbst Wünsche habt, wer hier zu welchem Thema mal zu Wort kommen soll.

Habt einen schönen Abend,

Eure Anna

Advertisements

2 Gedanken zu “Welche Werte sind uns als Eltern wichtig? Welches Erziehungsmodell lebt Ihr?

  1. Ein sehr schöner Beitrag, bei dem ich so oft nicken musste 🙂
    Mir geht es ähnlich wie dir, auch wir entscheiden oft nach Bauchgefühl, orientieren uns an positiven Erinnerungen aus unserer eigenen Kindheit und versuchen, bei den grundsätzlichen Fragen einer Meinung zu sein, auch wenn Mama und Papa sich auch mal unterschiedlicher Umgangsformen bedienen. Ich finde es auch sehr wichtig, tolerant gegenüber anderen Erziehungsmethoden zu sein – es hat schon seinen Grund, warum andere Eltern vielleicht einen anderen Stil leben, egal ob es ums Stillen, Impfen oder Elternzeit geht. Solange Jeder versucht, eine gute Mutter/ein guter Vater für sein Kind zu sein, dann ist das doch die Hauptsache!
    Bin schon gespannt auf deine Gastbeiträge.
    Liebe Grüße
    Christine

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s